Ausgliederung

Begriff

Eine Ausgliederung liegt vor, wenn eine Gemeinde eine oder mehrere Aufgaben einer Gemeindeanstalt oder einer juristischen Person des Privatrechts (z.B. Aktiengesellschaft) dauerhaft überträgt. Diese plant, steuert und vollzieht die Aufgabenerfüllung in eigener Verantwortung (§ 65 Gemeindegesetz; GG). Die Gemeinde nimmt nur noch die Aufsicht über den Dritten wahr.

Gemeindeanstalt

Die Gemeinde kann zur Ausgliederung eine Gemeindeanstalt errichten, die über eigene Rechtspersönlichkeit sowie personelle und finanzielle Mittel verfügt (§ 66 GG). Die Gemeindeanstalt muss mindestens über einen Vorstand und eine Prüfstelle verfügen. Sie hat ihren Haushalt nach dem kommunalen Haushaltsrecht zu führen und das Personal nach dem öffentlich-rechtlichen Personalrecht anzustellen

Die Gemeindeanstalt kann nur von einer Gemeinde alleine errichtet werden. Wollen mehrere Gemeinden zusammen eine Anstalt errichten, müssen sie eine gemeinsame Anstalt errichten.

Juristische Person des Privatrechts

Zum Zweck der Ausgliederung steht der Gemeinde auch die juristische Person des Privatrechts zur Verfügung. Hierzu gehören sämtliche Rechtsträger des Obligationenrechts und Zivilgesetzbuchs wie insbesondere die Aktiengesellschaft, die GmbH, die Genossenschaft, der Verein und die Stiftung.

Die Gemeinde kann eine juristische Person des Privatrechts errichten, sich an einer bestehenden juristischen Person des Privatrechts beteiligen oder eine oder mehrere Aufgaben einer bestehenden juristischen Person des Privatrechts übertragen (§ 67 GG).
 

Rechtsgrundlage

Ausgliederungen an Gemeindeanstalten und juristische Personen des Privatrechts erfordern eine Rechtsgrundlage in einem Gemeindeerlass. Werden mit der Ausgliederung hoheitliche Befugnisse übertragen (z.B. die Erhebung von Gebühren), ist eine Rechtsgrundlage in der Gemeindeordnung erforderlich (Art. 98 Abs. 3 Kantonsverfassung; KV).

Die Rechtsgrundlage hat insbesondere die folgenden Punkte zu regeln: Art und Umfang der Aufgaben, Rechtsform des Aufgabenträgers, Finanzierung, Aufsicht, und bei einer Gemeindeanstalt die Organisation (§ 68 GG).

Ausgliederungen von erheblicher Bedeutung

Eine Ausgliederung ist von erheblicher Bedeutung, wenn die Ausgliederung von grosser politischer oder finanzieller Tragweite ist. Über Ausgliederungen von erheblicher Bedeu-tung und über Ausgliederungen mit Übertragung von hoheitlichen Befugnissen entscheiden die Stimmberechtigten an der Urne (§ 69 GG, Art. 98 Abs. 3 KV).

Vorprüfung und Genehmigung

Ist eine Ausgliederung von erheblicher Bedeutung oder sollen mit ihr hoheitliche Befugnisse übertragen werden, muss die Rechtsgrundlage vom Regierungsrat genehmigt werden. Die Genehmigung beschränkt sich auf die Überprüfung der Rechtmässigkeit und ist Voraussetzung, dass die Rechtsgrundlage in Kraft treten kann (§ 70 GG).

Der Entwurf der neuen oder geänderten Rechtsgrundlage von genehmigungspflichtigen Ausgliederungen kann dem Gemeindeamt zur Vorprüfung eingereicht werden.

Die Merkblätter informieren Sie über das Verfahren und die Unterlagen, die mit dem Vorprüfungs- bzw. Genehmigungsgesuch per Online-Formular einzureichen sind.  

Gemeindeanstalt

Juristische Person des Privatrechts